Docetaxel greift nicht nur die Tumorzellen an, sondern alle Zellen, die sich schnell teilen – und dazu gehört die Mundschleimhaut. Deshalb stehen im Therapieplan die Mundspülung und das Mundgel von Anfang an mit dabei: Das Behandlungsteam rechnet damit. Wenn es soweit kommt, ist der Mund für ein paar Tage der Engpass. Nicht der Appetit, nicht der Magen – der Mund.

Diese Seite ist der vierte Modus neben den drei auf der Schonkost-Seite. Er hat einen eigenen Platz, weil er an mehreren Stellen dem, was dort steht, widerspricht: Säuerlich-frische Noten, heiße Zitrone, gesalzene Brühe und Zwieback tun an einem Übelkeitstag gut – an einem Tag mit wunder Schleimhaut sind sie genau falsch.

Gemeint ist hier die Schleimhaut im Mundinneren: Wangen, Zunge, Gaumen. Sie kommt schleichend über ein bis zwei Tage, typischerweise ab Tag 5 nach der Chemo, und sie kommt allein – ohne Fieber und ohne Hautbeteiligung.

Du musst dich sofort ans Behandlungsteam oder an die Ambulanz wenden, wenn eines davon dazukommt (mögliche Reaktion auf ein Medikament):

  • Fieber – während der Chemotherapie immer ein eigener Notfall
  • Ausschlag am Körper, gleichzeitig oder kurz davor
  • Rötung, Schwellung oder EntzĂĽndung der Haut auĂźen um den Mund herum
  • ein rascher Beginn innerhalb von Stunden, besonders nach einer neuen Infusion oder einem neuen Medikament
  • Beteiligung anderer Schleimhäute (Augen, Genitalbereich), Blasen oder sich ablösende Haut

Ansonsten gilt: Es geht hier um Unterstützung in der Küche bei Symptomen, nicht um eine Behandlung. Die Mundpflege selbst läuft nach Verordnung.

Wann es losgeht

Der Schaden an der Schleimhaut tritt typischerweise um Tag 5 nach der Chemo auf, ist um Tag 7 bis 11 am unangenehmsten und heilt bis zum Ende des Zyklus wieder ab. Das Fenster liegt damit ziemlich genau in der Woche, in der auch die Blutwerte am tiefsten sind – sollte man in Laborkontrolle an Tag 10 sehen.

Zwei Konsequenzen: Erstens sind das planbare Tage. Was in dieser Woche gegessen wird, kann in der Woche davor vorbereitet und eingefroren werden. Zweitens gelten in dieser Woche die Hygieneregeln besonders streng: Eine offene Stelle im Mund ist eine Eintrittspforte für Erreger, und die weißen Blutkörperchen sind gerade auf dem Tiefpunkt.

Ein früher Hinweis, oft schon vor dem Wundsein: Der Mund wird trocken und Zahnpasta oder Ananas brennen plötzlich. Das ist der Moment, in dem es sich lohnt, umzuschalten – nicht erst, wenn das Essen schon wehtut.

FĂĽnf Regeln

Weich und feucht. Alles, was Sauce, Brühe, Püree oder Creme hat, geht leichter als alles Trockene. Trockenes Brot, Zwieback, Granola, Knäckebrot, geröstete Knusperdinge und Nüsse sind für diese Tage Sandpapier. Wenn etwas trocken ist: in Sauce, Suppe oder Milch weich werden lassen.

Nicht sauer. Zitrusfrüchte, Essig, Paradeiser, Tomatensauce, Hibiskus, sehr saure Beeren, Kohlensäure. Säure auf einer offenen Stelle brennt sofort. Das trifft leider einen guten Teil des Kochbuchs – Zitrone ist hier sonst überall drin und ausdrücklich erlaubt. Für diese Woche kommt sie raus.

Mild statt scharf und salzig. Chili, Pfeffer, Senf, Ingwer, Kren, viel Salz. Auch kräftig gesalzene Brühe brennt. Milde Gewürze bleiben: Kurkuma, Zimt, Vanille, Kardamom, wenig Kreuzkümmel.

Lauwarm oder kalt. Kälte betäubt, Hitze reizt. Kalt oder Zimmertemperatur ist meist am angenehmsten, lauwarm geht auch – heiß nie. Das deckt sich mit dem, was bei Übelkeit ohnehin gilt, insofern kein Konflikt.

Klein, glatt, ohne Kanten. Der Stabmixer ist in dieser Woche das wichtigste Gerät. Pürieren nimmt Suppen und Eintöpfen die Kanten. Auch kleine harte Teile machen Ärger: Beerenkerne, Sesam, ganze Leinsamen und Chia können sich in einer wunden Stelle festsetzen. Geschroteter Leinsamen ist eingerührt in etwas Cremiges meist noch in Ordnung; wenn er kratzt, macht man dieselbe Pause wie an den Durchfalltagen.

Gut an diesen Tagen

Warm-weich (lauwarm servieren)

Kalt und cremig

Trinken

  • Warmer Kakao mit Sojadrink – lauwarm; nebenbei EiweiĂź und Kalorien
  • Goldene Milch – lauwarm und ohne Pfeffer und Ingwer
  • Milder Kräutertee, abgekĂĽhlt: Kamille oder Fenchel
  • Wasser in kleinen Schlucken ĂĽber den Tag; ein Strohhalm hilft, wunde Stellen zu umgehen
  • Kalter Beeren-Smoothie – falls die Säure aus Kefir und Beeren nicht brennt

Besser aufschieben

Während dieser Woche besser meiden:

Wenn wenig geht: Kalorien vor Vollkorn

Das Kochbuch ist auf ballaststoffreich, mager und viel Gemüse gebaut. In dieser einen Woche kehrt sich die Priorität um: Wichtig ist, dass überhaupt etwas hineingeht – und dass Eiweiß und Kalorien dabei sind, weil sonst Muskulatur verloren geht und die Verträglichkeit des nächsten Zyklus darunter leidet.

Praktisch heißt das: kleine Portionen, dafür sechs bis acht mal am Tag. Nährstoffdichte statt Volumen – ein Löffel Olivenöl oder glattes Nussmus ins Püree, Sojadrink statt Wasser im Brei, Seidentofu oder Topfen in alles Cremige. Vollkorn, Hülsenfrüchte und Rohkost holen wir in der guten Woche nach, davon geht nichts verloren. Süß ist in diesen Tagen kein Sündenfall, sondern oft das, was am wenigsten brennt.

Weiche EiweiĂźquellen, die hier tragen: Seidentofu, Topfen und Skyr, weich gerĂĽhrtes Ei (ganz durchgegart), gedĂĽnsteter Fisch, pĂĽrierte HĂĽlsenfrĂĽchte, Sojadrink.

Mundpflege gehört dazu

Die Küche ist nur die eine Hälfte. Die andere läuft nach Verordnung – die Kochsalzspülung, Glandomed und das Mundisal-Gel sind genau dafür da. Dazu drei Dinge, die das Essen leichter machen:

  • Vor und nach dem Essen spĂĽlen. Vorher nimmt es die Empfindlichkeit, nachher entfernt es Reste aus wunden Stellen.
  • Weiche ZahnbĂĽrste, und keine alkoholhaltige MundspĂĽlung aus dem Supermarkt – Alkohol brennt und trocknet aus. Auch bei Zahnpasta kann eine milde ohne starkes Minzaroma angenehmer sein.
  • Kaltes im Mund beruhigt: ein EiswĂĽrfel aus abgekochtem oder Trinkwasser, ein StĂĽck gefrorene Banane, ein Löffel Nicecream. Wichtig: keine ungekochten TiefkĂĽhlbeeren lutschen – die mĂĽssen laut der Sicherheitsregeln auf ĂĽber 85 °C erhitzt werden, dafĂĽr gibt es keine Ausnahme. Gefrorene Banane aus der eigenen KĂĽche ist unproblematisch.

Das Lutschen von Eis ist hier eine Wohltat, keine Therapie – die gut belegte vorbeugende Wirkung von Eiswürfeln gilt für andere Chemotherapeutika, nicht für Docetaxel. Es schadet nichts und hilft im Moment, mehr ist nicht behauptet.

Wann zum Behandlungsteam

  • Fieber – während der Chemotherapie immer ein eigener Notfall, sofort melden. In dieser Woche gilt das besonders, weil die Blutwerte am Tiefpunkt sind.
  • WeiĂźe oder gelbliche Beläge auf Zunge oder Wangenschleimhaut, die sich nicht wegspĂĽlen lassen – kann Mundsoor (Pilzbefall) sein und braucht Medikamente.
  • Bläschen oder Krusten, besonders an der Lippe – kann eine Herpes-Reaktivierung sein, auch das ist behandelbar.
  • Blutungen im Mund, die nicht von selbst aufhören.
  • Wenn Trinken nicht mehr geht oder das Schlucken so wehtut, dass ĂĽber einen Tag hinaus praktisch nichts hineinkommt – dann braucht es Schmerzmittel vom Team, nicht ein anderes Rezept.

Gegen Schmerzen im Mund hat das Team wirksame Mittel, inklusive Mittel, die vor dem Essen lokal betäuben. Es ist kein Zeichen von Schwäche, das anzufragen – im Gegenteil, es ist der Weg, wie Essen in dieser Woche wieder funktioniert.

Gutes Essen unterstützt die Behandlung – es ersetzt sie nicht. Bei Fragen zu Ernährung und Medikamenten im Zweifel beim Arzt oder in der Apotheke nachfragen.

Gutes Essen unterstützt die Behandlung – es ersetzt sie nicht. Bei Fragen zu Ernährung und Medikamenten im Zweifel beim Arzt oder in der Apotheke nachfragen.

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