Zutaten
1–2 EL Kefirkörner (Kefirknollen)
500 ml Vollmilch (Kuhmilch, Raumtemperatur)
Dieses Rezept ist für die Zeit nach der aktiven Therapie gedacht.
Zubereitung
Die Kefirkörner in ein sauberes Glas geben und mit der Milch aufgießen (Faustregel: 1–2 EL Körner auf 500 ml). Das Glas nur locker verschließen oder mit einem Tuch abdecken.
Bei Raumtemperatur (ca. 20–24 °C) rund 24 Stunden fermentieren lassen, nicht in direkter Sonne. Fertig ist der Kefir, wenn er leicht angedickt und angenehm säuerlich ist.
Durch ein nicht-reaktives Sieb (Kunststoff/Nylon) abseihen und die Körner auffangen. Den fertigen Kefir in den Kühlschrank stellen.
Die aufgefangenen Körner direkt in frische Milch für die nächste Runde geben – so laufen sie praktisch endlos weiter. Für eine Pause die Körner in Milch im Kühlschrank „schlafen legen”.
Optional für mehr Geschmack und leichte Kohlensäure: den abgeseihten Kefir (ohne Körner) verschlossen weitere 6–24 Stunden bei Raumtemperatur nachreifen lassen, danach kühlen.
Notizen
Dieses Rezept ist für die Zeit nach der aktiven Therapie gedacht. Milchkefir aus lebenden Körnern ist ein offener Fermentationsprozess bei Raumtemperatur mit lebenden Hefen – während aktiver Chemotherapie bzw. in der Neutropenie-Phase ist das nicht geeignet. Erst nach Rücksprache mit Onkologie/Apotheke starten. Gekaufter Kefir liefert in der Zwischenzeit praktisch denselben Alltagsnutzen ohne den unkontrollierten Teil.
Kein reaktives Metall im Dauerkontakt: Zum Abseihen und Umrühren Kunststoff, Nylon oder Holz verwenden. Kurzer Kontakt mit Edelstahl ist unkritisch, Aluminium und Kupfer aber meiden – solche reaktiven Metalle werden von der Säure angegriffen, geben Ionen ab (können die Kultur schädigen und den Geschmack verändern) und pitten mit der Zeit. Das Bormioli-Rocco-Glas passt gut als Fermentationsgefäß.
Glas nie ganz luftdicht verschrauben: Bei der Fermentation entsteht CO2. Deckel nur locker auflegen oder das Glas mit einem Tuch und Gummiring abdecken, damit der Druck entweichen kann.
Milchwahl: Kuhvollmilch funktioniert am besten, weil die Körner Laktose als Futter brauchen. Sojadrink trägt die Kultur auf Dauer nicht – höchstens gelegentlich, mit anschließender Regeneration in echter Milch.
Tempo steuern: Wie fertig der Kefir wird, ergibt sich aus Fermentationsrate x Zeit; die Rate hängt an Temperatur und Kornmenge. Mehr Körner oder wärmer = schneller und säuerlicher, weniger Körner oder kühler = langsamer und milder. Nicht nach der Uhr abseihen, sondern nach Andickung und Geschmack.
Wenn der Kefir geronnen und stark sauer ist, war er zu lang dran – nächste Runde einfach früher abseihen. Im Kühlschrank dauert die Reifung nicht nur viel länger, sondern das Ergebnis wäre unvollständig und unausgewogen, weil manche Stämme mit Kälte besser zurechtkommen als andere und sich die mikrobielle Balance verschiebt.
Zu warm im Sommer: Über ~28–30 °C verschiebt sich die Balance zugunsten von Hefen und Essigsäurebakterien, das Ergebnis wird hefig und leicht essigstichig. Gegenmittel: früher abseihen, das Verhältnis strecken (weniger Körner auf die gleiche Milch), den kühlsten Platz der Wohnung nutzen, oder das Glas in eine Schüssel mit kaltem Wasser stellen bzw. ein feuchtes Tuch drumwickeln, dessen Zipfel im Wasser hängt (Verdunstungskühlung, vgl. Tontopf-Kühler). Zum Fermentieren ist der Kühlschrank auch im Sommer keine Lösung – dort wird die Reifung unvollständig.
Wenn du mit dem Trinken nicht nachkommst: Die fertige Charge hält im Kühlschrank 1-2 Wochen und säuert dort nur langsam nach. Der eigentliche Hebel ist die Überproduktion, denn die Körner vermehren sich. Entweder die Runden strecken – Körner in frischer Milch in den Kühlschrank stellen, bei ~4 °C steht ein Glas gut eine Woche, bevor die Milch gewechselt werden muss (das ist auch der Verreist-Modus) – oder die Kornmenge dauerhaft reduzieren: einen Teil abgeben oder für längere Pausen trocknen bzw. einfrieren (dann monatelang dormant, brauchen danach aber ein paar Runden zum Aufwachen; Einfrieren kostet allerdings Gefrierplatz).
Falls du für die optionale zweite Fermentation TK-Beeren zum Aromatisieren nimmst: vorher auf über 85 °C erhitzen (mind. 2 Min) und abkühlen lassen, bevor sie in den Kefir kommen. Zum Aromatisieren eignet sich auch Zitronenschale – Grapefruit- und Pomelo-Schale bleiben ausgeschlossen.
Hausgemacht vs. gekauft: Der aus Körnern fermentierte Kefir enthält Kefiran, ein Exopolysaccharid, das überwiegend von Lactobacillus kefiranofaciens beim Fermentieren gebildet wird. Industrieller Kefir läuft meist über definierte Starterkulturen ohne Körner und enthält dadurch typischerweise wenig bis kein Kefiran. Die kursierenden Gesundheitseffekte von Kefiran stammen allerdings bislang aus Labor- und Tierstudien; ein belegter Nutzen für den Menschen lässt sich daraus nicht ableiten.