Warenkunde: Calcium
Rund 1.000 mg Calcium braucht ein Erwachsener am Tag. Nicht jede Mahlzeit muss reich an Calcium sein – entscheidend ist die Tagesbilanz, also die Summe am Abend (ähnlich wie beim Eisen).
Während der Chemotherapie genügt eine normale, ausgewogene Kost. Wirklich wichtig wird das Thema danach: Bei einer Antihormontherapie muss man die Knochendichte gezielt im Blick behalten.
Wie viel?
Der Richtwert für Erwachsene liegt bei 1.000 mg täglich. Der Körper gleicht Schwankungen über Wochen aus, man muss also keine Gramm zählen.
- Milchprodukte und angereicherte Pflanzendrinks: Wer täglich eine Portion Joghurt, Topfen, Käse oder Sojadrink mit Nüssen und Gemüse isst, erreicht die 1.000 mg ohne Nachrechnen.
- Wenn du keine Milchprodukte isst, solltest du angereicherte Pflanzendrinks bewusst einplanen.
Bio-Sojadrinks sind in Österreich (gemäß EU-Bio-Verordnung) meist nicht mit Calcium angereichert. Auf die Zutaten achten (steht immer auf dem Karton): 120 mg pro 100 ml bedeutet angereichert. In den Rezepten hier ist immer die angereicherte Variante gemeint.
Woher
Grobe Richtwerte für übliche Portionen. Wichtig ist vor allem die letzte Spalte, “Aufnahme”: Sie zeigt, wie gut der Körper das enthaltene Calcium tatsächlich verwerten kann (Bioverfügbarkeit).
| Zutat | Portion | ca. mg | Aufnahme |
|---|---|---|---|
| Milch, Joghurt, Kefir | 250 g | 300 | gut (~ 30 %) |
| Skyr | 150 g | 200 | gut (~ 30 %) |
| Topfen 20 % | 200 g | 180 | gut (~ 30 %) |
| Hartkäse (Bergkäse, Parmesan) | 30 g | 300 | gut (~ 30 %) |
| Sojadrink, angereichert | 250 ml | 300 | gut (~ 30 %) |
| Tofu, mit Calciumsulfat gefällt | 100 g | 200–350 | gut (~ 30 %) |
| Grünkohl, Brokkoli, Chinakohl | 200 g | 100–200 | sehr gut (~ 50 %) |
| Mandeln | 30 g | 75 | mittel (~ 20 %) |
| Sesam, Tahini | 20 g | 30–150 | mäßig bis gering |
| Mineralwasser, calciumreich (Etikett lesen) | 1 l | bis 500 | gut (~ 35 %) |
Wichtig zu wissen:
- Tofu: Liefert nur dann Calcium, wenn er mit Calciumsulfat (E 516) gefällt wurde („Calciumsulfat” oder E 516 in den Zutaten). Mit Nigari (Magnesiumchlorid) gefällter Tofu enthält fast nichts.
- Mineralwasser: Eine unterschätzte Quelle. Calciumreiche Sorten liefern über 400 mg pro Liter (Etikett prüfen!). Wiener Leitungswasser ist dagegen mit ~52 mg/l eher weich (calciumarm) und trägt nur wenig zum Tagesziel bei.
- Kohlgemüse (der heimliche Champion): Brokkoli, Grünkohl, Kohlrabi und Chinakohl enthalten gut verwertbares Calcium – prozentual besser als aus Milch.
- Sesam & Tahini: Sieht in Tabellen gut aus (~780 mg / 100 g), aber das meiste steckt in den Schalen; helles Tahini liefert kaum Calcium.
Was die Aufnahme hemmt – und was hilft
- Oxalsäure hemmt: Spinat, Mangold und Rhabarber enthalten Calcium, aber auch Oxalsäure; die Aufnahme liegt deswegen im einstelligen Prozentbereich. Sie sind gesundes Gemüse, taugen aber nicht als Calciumquelle.
- Phytate bremsen leicht: Kommen in Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen vor – in einer normalen Mischkost kein Grund zur Sorge. Sauerteig, Einweichen und Kochen bauen sie teilweise ab.
- Besser verteilen: Der Körper nimmt kleinere Mengen (ca. 300 mg) prozentual deutlich besser auf als große (600 mg+). Zwei mittlere Portionen über den Tag verteilt bringen mehr als eine große.
Calcium und Eisen
Calcium hemmt die Aufnahme von pflanzlichem Eisen in derselben Mahlzeit (eine große Portion Milch halbiert sie ungefähr). Über Wochen betrachtet gleicht der Körper das aber gut aus.
- Einfache Lösung: Zeitlicher Abstand. Mahlzeiten, die viel Eisen liefern (z. B. Linsen mit Zitrone, Porridge mit Beeren, Kichererbsen mit frischer Petersilie), lieber ohne Milch oder Calciumdrink dazu genießen. Das Joghurt 1–2 Stunden später ist kein Problem.
- Nicht verkrampfen: Ein Porridge mit angereichertem Pflanzendrink bleibt ein vollwertiges, gesundes FrĂĽhstĂĽck. Man muss das Kochen im Alltag nicht ĂĽberoptimieren.
Knochendichte: jetzt und später
Während der Chemotherapie genügt normales, ausgewogenes Essen – Calcium ist hier kein akutes Thema. Relevant wird es bei der anschließenden Antihormontherapie. Die Details hängen von der Art der Therapie ab:
- Tamoxifen: Ist fĂĽr die Knochen weitgehend unproblematisch.
- Aromatasehemmer (oft kombiniert mit GnRH-Analoga): Senken den Östrogenspiegel stark und können die Knochendichte messbar verringern. Deswegen wird eine solche Therapie üblicherweise mit Knochendichtemessungen überwacht.
Das Quartett fĂĽr starke Knochen:
- Calcium: Regelmäßig über den Tag verteilt aus der Nahrung.
- Vitamin D: Ohne Vitamin D kann der Darm Calcium kaum aufnehmen.
- Ausreichend EiweiĂź: Knochen bestehen zu einem groĂźen Teil aus Protein (KollagengerĂĽst).
- Bewegung mit Belastung: Oft ĂĽbersehen: Gehen, Treppensteigen, Sport und vor allem leichtes Krafttraining stimulieren den Knochenerhalt mindestens so stark wie das Essen. Knochen bauen sich dort auf, wo Zug und Druck auf sie wirken.
Präparate
- Calcium: Vorrangig über echte Lebensmittel decken. Hochdosierte Calciumpräparate bringen ohne nachgewiesenen Mangel keinen Zusatznutzen. (Präparate bis zu 500 mg/Tag sind vermutlich unproblematisch.) Werden sie ärztlich verordnet (z. B. unter Aromatasehemmern oder bei Osteopenie), sollte man sie wie verschrieben nehmen – meist kombiniert mit Vitamin D.
- Vitamin D: Hier ist eine Ergänzung – besonders in den Wintermonaten oder unter Therapie – der Normalfall. Die passende Dosis am besten mit dem Behandlungsteam klären.
Quellen
Die Milligramm-Angaben stammen aus den Nährwerttabellen. Dazu speziell zum Calcium:
- Apotheken Umschau – Calcium
- BfR – Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe (2024)
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie – Gesunde und starke Knochen
Gutes Essen unterstützt die Behandlung – es ersetzt sie nicht. Bei Fragen zu Ernährung und Medikamenten im Zweifel beim Arzt oder in der Apotheke nachfragen.